Konzerte

In der Konzert-Saison 2022/2023 hoffen wir mit unserem abwechslungsreichen Programm nicht nur unsere bisherigen, sondern auch neue Abonnentinnen und Abonnenten, vor allem jüngere musikinteressierte Menschen für die Kammermusik zu gewinnen.

Unter den Ensembles, die wir für die Konzerte engagieren konnten, befinden sich mit dem Leonkoro Quartett und dem Simply Quartett zwei junge Ensembles, die in den vergangenen Monaten eine steile internationale Karriere gemacht und sich in die vorderste Reihe der Interpreten für Streichquartett gespielt haben.

Das Junge Podium wird dieses Mal von einem mit zwei Saxophonen und Klavier ungewöhnlich besetzten Trio bestritten. Alte Freunde der Reihe kommen mit dem Kuss Quartett und dem Mozart Piano Quartett erneut nach Mannheim.

Sein Debut in unserer Reihe gibt das auch weltweit renommierte Busch-Trio. Der Pianist Oliver Triendl, der schon mehrfach Gast in dieser Reihe war (zuletzt im Frühjahr 2020 mit dem Quatuor Danel im letzten Konzert vor der Corona-Pandemie), hat dieses Mal ein aus Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass bestehendes Ensemble um sich geschart und wird mit diesen vier Musikerinnen und Musikern ein Programm gestalten, in dessen Mittelpunkt natürlich das Forellenquintett von Franz Schubert, aber auch ein Quartett für diese Besetzung von dem leider zu Unrecht fast vergessenen Hermann Goetz stehen wird.

Wir hoffen auf ein reges Interesse an diesem Programm und freuen uns auf Ihren Besuch.

Saison 2022/2023

  22. Konzertjahr  
  7 konzerte  

 

Erstes Konzert 

  21. September 2022  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal (D5, Museum Weltkulturen) 

Leonkoro Quartet

Jonathan Schwarz, Violine  |  Amelie Wallner, Violine  |  Mayu Konoe, Viola  |  Lukas Schwarz, Violoncello

Dmitri Schostakowitsch
Streichquartett Nr.3 op. 73

Ludwig van Beethoven
Streichquartett Nr. 13 B-Dur op. 130
mit der Großen Fuge B-Dur als Finalsatz

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Das Konzert vereint zwei in der Literatur für Streichquartett herausragende Werke. Für beide Komponisten bildete diese Gattung einen Schwerpunkt ihres Schaffens: Schostakowitsch schrieb 15, Beethoven, wenn man die Große Fuge als eigenständiges Werk zählt, 16 Streichquartette. Für Schostakowitsch war das Streichquartett eine Nische, in welcher der Komponist, der in seinem sinfonischen Schaffen vom langen Arm der Partei gelenkt wurde, so komponieren konnte, wie er wollte. Beethoven schuf mit der Gattung Maßstäbe, die noch heute gelten und gab der Musikwelt vor allem mit den späten Quartetten Rätsel auf, die nach wie vor manchen Hörer ratlos machen.  

Das 2019 gegründete Leonkoro Quartett hat sich in wenigen Monaten auf einer atemberaubend steilen Karriere in die Weltspitze der Streichquartette gespielt. Es wurde von Günter Pichler, dem ehemaligen Primarius des Alban-Berg-Quartetts, und dem Artemis Quartett ausgebildet und errang in der kurzen Zeit seiner Existenz zahlreiche höchstrangige Preise: Im Juni 2021 war das Quartett Preisträger des International String Quartet Competition „Premio Paolo Borciani“. Im diesem Frühjahr folgten jeweils der erste Preis des Wigmore Hall International String Quartet Competition und des Bordeaux International String Competition. 

 

Zweites Konzert 

  19. Oktober 2022  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal  |  D5, Museum Weltkulturen (Evtl. Florian-Waldeck-Saal im Zeughaus) 

Busch Trio

Mathieu van Bellen, Violine  |  Ori Epstein, Violoncello  |  Omri Epstein, Klavier

Robert Schumann
Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63

Peter Tschaikowsky
Klaviertrio e-Moll op. 50

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Das d-Moll Trio op. 63 von Robert Schumann ist wohl das bedeutendste, jedenfalls das am meisten gespielte unter den drei 1847 entstandenen Klaviertrios von Robert Schumann. Der Komponist hat das Jahr seiner Entstehung als eine Zeit düsterer Stimmungen bezeichnet. Davon ist im ersten Satz einiges zu spüren. Clara Schumann, die bei der Uraufführung in Dresden am Klavier saß, hat das Stück insgesamt aber ganz anders beurteilt und „als jugendfrisch und kräftig“, in der Ausführung meisterhaft“ bezeichnet. 

Tschaikowskys Klaviertrio op. 50 nimmt in dem eher spärlichen kammermusikalischen Schaffen des Komponisten eine besondere Stellung ein. Obwohl es zu seiner Zeit eher skeptisch beurteilt (so etwa von dem Wiener Kritiker Eduard Hanslick) und offenbar auch vom Komponisten selbst nicht besonders geschätzt wurde, gehört es heute ungeachtet seiner zeitlichen - es dauert fast 50 Minuten – und klanglichen Dimensionen zu den äußerst beliebten und oft gespielten Standwerken der Literatur für Klaviertrio.

Das Busch Trio leitet seinen Namen von dem legendären Geiger Adolf Busch her. In wenigen Jahren hat das Ensemble zu einem der führenden Klaviertrios seiner Generation entwickelt. Regelmäßig ist das Ensemble zu Gast auf allen bedeutenden europäischen Bühnen und Festivals. Die Höhepunkte der laufenden Saison bilden Konzerte im Konzerthaus Berlin, im Concertgebouw Amsterdam, in der Wigmore Hall London und der Liederhalle Stuttgart, sowie eine Tournee durch die USA. In ihrem Mannheimer Konzert interpretieren die Künstler zwei der großen Werke aus der Klaviertrio-Literatur des 19. Jahrhunderts.

 

Drittes Konzert 

  23. November 2022  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal  |  D5, Museum Weltkulturen (Evtl. Florian-Waldeck-Saal im Zeughaus) 

Liederabend

Roman Trekel, Bariton  |  Barbara Baun, Klavier 

Franz Schubert
Die schöne Müllerin

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Das für den 23. November 2022 ursprünglich angekündigte Konzert mit dem jungen Sigma Trio musste leider abgesagt werden. An der Stelle des Trios konnte kurzfristig der weltbekannte Bariton Roman Trekel (Staatsoper Berlin) mit seiner Pianistin Barbara Baun (Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim) verpflichtet werden. Beide gastierten im Dezember 2019 mit der Winterreise in dieser Konzertreihe und werden dieses Mal den anderen großen Liederzyklus „Die Schöne Müllerin“ von Franz Schubert interpretieren. 

Sichern Sie sich Ihre Eintrittskarte möglichst im Vorverkauf; wir rechnen mit einer großen Resonanz.

 

Viertes Konzert 

  18. Januar 2023  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal  |  D5, Museum Weltkulturen (Evtl. Florian-Waldeck-Saal im Zeughaus) 

Forellenquintett

Oliver Triendl, Klavier  |  Nina Karmon, Violine  |  Sindy Mohamed, Viola  |  Justus Grimm, Violoncello  |  Petru Juga, Kontrabasss

Hermann Goetz
Klavierquintett c-Moll op. 16

Hans Vogt
Rondo sereno für Violoncello und Kontrabass

Franz Schubert​
Quintett für Klavier, Violine, Viola, Violoncello
und Kontrabass A-Dur D 667 („Forellenquintett“)

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Dreh- und Angelpunkt dieses Konzerts ist Schuberts Klavierquintett in A-Dur D 667, genannt Forellenquintett. Den Namen verdankt es dem Schubert-Lied „Die Forelle“, das dem Variationssatzes als Thema dient. Es gibt nicht viele Stücke in dieser Besetzung. Eines stammt von Johann Nepomuk Hummel und hat Schubert wohl als Vorbild gedient. Ein weiteres ist das am Anfang dieses Konzerts stehende Klavierquintett von Hermann Goetz (1840-1876), eines zu Unrecht vergessenen Romantikers, dessen Oper „Der Widerspenstigen Zähmung“ 1874 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt worden ist. Einen Bezug zu Mannheim hat auch der Komponist und ehemalige Dozent für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Mannheim, Hans Vogt, dessen kurzes Rondo sereno für Violoncello und Kontrabass das Programm ergänzt.

Ein festes Ensemble in der Besetzung, wie sie das Forellenquintett von Franz Schubert fordert, dürfte schwer zu finden sein. Der Pianist und engagierte Kammermusiker Oliver Triendl, der in dieser Reihe schon mehrfach zu Gast war, hat mit befreundeten Musikerinnen und Musikern (teilweise von der Mannheimer Musikhochschule) für dieses Konzert ein Quintett zusammengestellt und ihm den Namen des Schubertschen Klavierquintetts als „Arbeitstitel“ gegeben.

 

Fünftes Konzert 

  15. Februar 2023  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal  |  D5, Museum Weltkulturen 

Simply Quartet

Danfeng Shen, 1. Violine  |  Antonia Rankersberger, 2. Violine  |  Xiang Lyu, Viola  |  Ivan Valentin Hollup Roald, Violoncello 

Joseph Haydn
Streichquartett D-Dur op. 20 Nr. 4

György Ligeti
Streichquartett Nr. 1
„Metarmorphoses nocturnes“


Antonín Dvořák
Streichquartett Nr. 13 G-Dur op. 106

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Mit dem am Beginn des Konzerts stehende Streichquartett D-Dur op. 20 Nr. 4 hat Joseph Haydn 1774 seinen Weg zur absoluten Meisterschaft in der von ihm ins Leben gerufenen Gattung Streichquartett fortgesetzt; endgültig erreicht hat er sie sieben Jahre später mit der Sechsergruppe op. 33. Auch Ligetis erstes Streichquartett, das er noch vor seiner Flucht aus Ungarn komponiert hat, zeigt den Komponisten noch nicht am Ziel seiner stilistischen Entwicklung. Dafür ist es aber ein raffiniert gemachtes, hinreißendes Stück Musik, das sein Vorbild Bartók nicht verleugnen kann und will und heute zum ständigen Repertoire aller großen Quartettvereinigungen gehört. Dvoráks G-Dur-Quartett entstand im Jahr 1895 nach einer langen Schaffenspause und bildet zusammen mit dem in As-Dur op. 105, auch wenn es die Popularität des „Amerikanischen Quartetts“ op. 96 nicht erreicht hat, einen Höhepunkt seines kammermusikalischen Schaffens.
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Das Simply Quartet gehört zu den vielversprechendsten Streichquartetten der neuen Generation und setzt sich aus einer Musikerin und drei Musikern aus drei verschiedenen Ländern - China, Norwegen und Österreich - zusammen. In den wenigen Jahren seit seiner Gründung hat sich das Quartett bereits in die Spitze der internationalen Kammermusikszene gespielt. Begeisterte Kritiken in  aller Welt legen davon Zeugnis ab. Der Name des Quartetts ist übrigens ähnlich, wie der des legendären LaSalle Quartetts, ein Zufallsprodukt und entstanden, als das junge Ensemble schnell einen Namen brauchte und ihn in einem Restaurant in Shanghai, das „Simply“ heißt, beim Mittagessen fand.

 

Sechstes Konzert 

  8. März 2023  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal  |  D5, Museum Weltkulturen (Evtl. Florian-Waldeck-Saal im Zeughaus) 

Kuss Quartett

Jana Kuss, 1. Violine  |  Oliver Wille, 2. Violine  |  William Coleman, Viola |  Mikayel Hakhnazaryan, Violoncello

Minaturen u.a. von Peter Tschaikowsky, Alfred Schnittke und Igor Strawinsky

Ludwig van Beethoven
Streichquartett Nr. 8 e-Moll op. 59 Nr. 2

(Das zweite der drei „Rasumowsky-Quartette“)

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Nach längerer Zeit kommt es in diesem Konzert zu einer Wiederbegegnung mit dem Kuss Quartett, einem Ensemble, das seit drei Jahrzehnten weltweit auf allen wichtigen Kammermusikpodien und –festivals gastiert und sich durch zahlreiche CD-Produktionen zusätzlich einen großen Namen gemacht hat. 

Das Programm, welches das Quartett bei seinem Mannheimer Konzert präsentieren wird, folgt ungewohnten Wegen. Es enthält im ersten Teil Stücke, die wegen ihrer kurzen Dauer nur selten, meist als Zugaben, in den Konzertprogrammen erscheinen, aber von so großem Reiz sind, dass sie auch in den Hauptprogrammen einen festen Platz beanspruchen können. Darunter sind zum Beispiel die drei Stücke und das Concertino für Streichquartett von Igor Strawinsky, die eine Spieldauer von insgesamt nur 14 Minuten haben, und der kurze Canon „In memoriam Igor Strawinsky“ von Alfred Schnittke. Das Hauptwerk des Abends ist das zweite der drei Quartette op. 59, die Beethoven in seiner mittleren Schaffensperiode 1806 komponiert und dem russischen Gesandten am österreichischen Hof, Graf Alexander Rasumowsky, gewidmet hat. Rasumowsky war ein großer Musikfreund und zu dieser Zeit bereits seit 10 Jahren mit Beethoven eng befreundet; er soll auch die Anregung für die drei Quartette gegeben haben. Mit den Rasumowsky-Quartetten hat Beethoven endgültig zu seinem persönlichen Quartett-Stil gefunden, der sich vor allem durch den eigenständigen Umgang der bis dahin (auch von ihm selbst in den frühen Quartetten op. 18) praktizierten strengen Sonatenform auszeichnete.

 

Siebtes Konzert 

  19. April 2023  |  19:00 Uhr
 

 Anna-Reiß-Saal  |  D5, Museum Weltkulturen (Evtl. Florian-Waldeck-Saal im Zeughaus) 

Mozart Piano Quartet

Mark Gothoni, Violine  |  Hartmut Rohde, Viola  |  Peter Hoerr, Violoncello  |  Paul Rivinius, Klavier

Wolfgang Amadé Mozart
Klavierquartett Nr. 1 g-Moll KV 478

Max Reger​
Klavierquartett Nr. 2 a-Moll op.133

Johannes Brahms
Klavierquartett Nr. 3 c-Moll op. 60

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Das ziemlich kompakte, aber hoch interessante Programm dieses Konzerts enthält mit Mozarts g-Moll-Quartett ein Schlüsselwerk seiner Gattung. Als es Mozart 1785 auf der Höhe seines Schaffens komponierte, stand es mehr oder weniger ohne Vorbild da und stieß deshalb auch bei seinem Verleger auf eine nur mäßige Begeisterung. Das C-Moll-Quartett von Brahms gehört an sich in eine Reihe mit den Klavierquartetten op. 25 und op. 26, die Brahms in den Jahren 1855 bis 1861 komponierte. Anders als die beiden ersten Stücke, die 1861 uraufgeführt wurden, stellte er das c-Moll Quartett zurück und unterzog es erst 13 Jahre später einer neuen Bearbeitung, in deren Fassung er es 1875 veröffentlichte. Neben diesen beiden „Klassikern“ steht das eher selten gespielte, aber sehr reizvolle zweite Klavierquartett zu Gehör, das der nur 43 Jahre alt gewordene Max Reger 1914 komponierte und das 1915 in Leipzig mit großem Erfolg seine Uraufführung erlebte.